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ELEKTRA

Zwei Stücke – Two Languages – Ein Ort – One Evening

Dieser Sommer ist fantastisch! Spielbrett und Eclectic Theatre wagen sich gemeinsam mit einem blutigen Open-Air-Spektakel auf Dresdens schönste Bühne: das Parktheater im Großen Garten. In einer einzigartigen Produktion zeigen wir nacheinander zwei unterschiedliche Varianten des Elektra-Mythos. In english, please!

Eclectic Theatre inszeniert Sophokles’ Tragödie „Elektra“ in klassischer, mythologischer Fassung – wie es sich für die englische Theatergruppe gehört, in englischer Sprache. Eclectic-Regisseur, Michael Halstead, stellt die familiäre Tragödie als Sinnbild für gesellschaftliche Verhältnisse in den Mittelpunkt seiner Inszenierung: „’Elektra’ ist eine auf die Spitze getriebene Rachegeschichte. Sophokles’ Version des Mythos beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen: Wann wird Gerechtigkeit verzerrt durch persönliche Motive? Wo hört Gerechtigkeit auf, wenn sie nur durch Hass motiviert ist? Wenn Gerechtigkeit Rache fordert, führt das dann nicht nur zu weiterem Blutvergießen? Und wenn dies die Gesetze der Götter sind, was können Menschen dann überhaupt ausrichten?“

Spielbrett inszeniert „Elektra“ in einer Übersetzung der jüngeren Zeit in deutscher Sprache. Für Spielbrett-Regisseur Ulrich Schwarz steht die politische Perspektive des Elektra-Mythos im Mittelpunkt der Inszenierung. „’Elektra’ ist das Drama unserer Welt. Einmal im Jahr wird das ‚Fest der Wahrheit’ begangen - das Sahnehäubchen auf der Wohlstandsdiktatur, die Aigisthos, der mordende Pragmatiker, eingerichtet hat. Als erstes kommt das Fressen! Chrysothemis, die Stieftochter, hat das verstanden: Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit sichert das kleine private Glück. Da stört nur Schwester Elektra mit ihrem absoluten Anspruch an Gerechtigkeit und Freiheit, ihrer radikalen Verachtung der lebensnotwendigen Lügen. Wie soll der Rächer aus dem Ausland, Bruder Orest, das richten? Hat er die demokratische Alternative? Gibt es die? Ohne Blut?“

Die griechische Tragödie „Elektra“ handelt von Rache und Vergeltung, von Gerechtigkeit und Schuld, von Recht und Wahrheit. Ganz nach der Art eines „Sängerwettstreites“ bekommt das Publikum an einem Abend unterschiedliche Stile und Arbeitsweisen und mithin unterschiedliche Regie-Handschriften in der Theaterarbeit geboten.

Tickets für dieses besondere Spektakel gibt es für 17,50 Euro (ermäßigt 9 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen, per Telefon über 01805/570000 (0,14€/min, Mobilfunk max. 0,42€/min) oder online über www.eventim.de.

Hinweis: Die Veranstaltung ist eine Freiluftveranstaltung und kann nicht bei jedem Wetter stattfinden. Im Vorverkauf erworbene Tickets können nicht erstattet werden, die Karten behalten bei Ausfall oder Abbruch der Veranstaltung ihre Gültigkeit für eine Vorstellung an einem anderen Tag.

 

Pressestimmen

„Angesichts der multikulturellen Ausrichtung überrascht die Formstrenge, mit der Regisseur Michael Halstead und sein Ensemble sich Sophokles’ Stück nähern, Chormasken und historische Kostüme inklusive. Dass die englische Variante gelegentlich von ihrer eigenen Schwere erschlagen zu werden droht, darf man durchaus der Vorlage in Rechnung stellen. […] Helenie Mende verleiht der Furie ein menschliches Antlitz und hält das Stück auch dann in der Spur, wenn aus den Nebenfiguren Karikaturen werden […] Mit Robert Lewetzkys spätem Auftritt als Aigisthos gelingt dann aber tatsächlich noch ein mitreißendes Rachestück, das einen Hauch von Amphitheater in den Großen Garten zu zaubern vermag.“

„Einen lebendigeren Theaterapparat kurbelt nach der Pause das Spielbrett mit der zeitgenössischen „Elektra“-Adaption aus der Feder das Ungarn Lásló Gyurkó an. […] Auch Elektras Rolle geht im Ensemblestück auf, was allen Mitspielern Raum für starke Szenen lässt.
Neben dem inzestuös angehauchten Schlagabtausch zwischen Elektra (Mandy Menzel, die neben ihrem eindringlichen Spiel auch lakonische Liedtexte von Brecht’schem Kaliber beisteuert) und dem aufrechten Orest (Erik Kaubitzsch) bleibt hier vor allem die moderne Variante des antiken Chors in Erinnerung: Die vier spaßversessenen Ja-Sager deklamieren ihre Texte mal lüstern, mal naiv und opportun, mal chaotisch, wodurch sich vor allem die Satire als Rückgrat des Stücks bewährt. Flankiert von den Toten im Schlussbild gelangen diese traurigen Clowns  […] zu keiner bleibenden Einsicht, als dass man die letzten Minuten „auch dümmer [hätte] verbringen“ können. Angesichts des erlebten Theaterabends darf dies getrost als Understatement gelten.“

Aus „Der blutige Weg zur Freiheit“ von Wieland Schwanebeck, DNN vom 11./12. Juni 2011

Ensemble

Es spielen

Elektra: Mandy Menzel
Orest: Erik Kaubitzsch
Chrysothemis: Antje Wehnert / Tanja Kirsten
Aigisthos: René Jäger / Matthias Hofmann
Clowns und Volk: Peter Hering / Tina Schnabel
                            Marlis Hänselmann / Julia Falke
                            Ralf Eißrich / Ronja Rexheuser
                            Roman Fielitz / Detlef Riemer

Hinter den Kulissen

Regie: Ulrich Schwarz
Ausstattung: Ulrich Schwarz
Liedtexte: Mandy Menzel
Komposition und Arrangement: Jens Grunert, Mandy Menzel
Aufnahmen: Jens Grunert
Musikalische Einstudierung: Mandy Menzel
Licht und Ton: Marion Fischer, Marcus Willing

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